Mentale Techniken

Modeling

Erfolg hat ein bestimmtes Muster. Erfolgreiche Spitzensportler haben entsprechend mentale Strategien, um ihre sportlichen Ziele zu erreichen. Diese Strategien kann man 'modellieren', lernen und nutzen.

So haben z.B. Torjäger einen Blick für Lücken in der gegnerischen Abwehr und für Möglichkeiten, die der Torwart lässt. 

Für jede sportliche Leistung und jede Wettkampfsituation gibt es spezifische Erfolgsstrategien, die man explorieren und trainieren kann.

Vorstellungsregulation / Zeitprogression

Mentaltraining im Sport ist das Training bestimmter Bewegungsabläufe, sportlicher Leistungen und (Wettkampf/Prüfungs-)situationen im Kopf (Kopfkino). Der optimale Ablauf wird mental durchlaufen, d.h. innerlich vorweg genommen. Das Ziel wird innerlich bereits erreicht.

Eine Technik ist die Zeitprogression. („Go tot he times, where you can look back“). In entspanntem Zustand wird der Wettkampf (oder die Prüfung) mental durchlaufen. Vom optimalen Endergebnis ausgehend, werden die einzelnen Phasen rückwärts durchlebt. Dabei wird zum einen eine innere optimale Haltung entwickelt und zum anderen situationsspezifische notwendige Ressourcen aktiviert, die später im realen Wettkampf (oder in einer Prüfungssituation) gezielt abgerufen werden können.

Zeitprogression ist somit anwendbar bei jeder Form von "Prüfungsangst".

Ressourcenaktivierung

Um seine Potentiale auszuschöpfen, muss man seine Ressourcen kennen und nutzen. Über die Aktivierung der Ressourcen und ihre Verknüpfung im Wettkampf mit der entsprechenden Wettkampfsituation ist der Sportler in der Lage, seine Fähigkeiten punktgenau zu aktivieren. 

Reframing

Jeder Sportler befindet sich irgendwann in kritischen Situationen. Das Publikum ist gegen einen, der Schiedsrichter entscheidet ungerecht, der Gegenspieler provoziert, Spielunterbrechungen bringen einen aus dem Spielfluss, eine Verletzung zwingt zur längeren Pause …

Die Persönlichkeit eines Sportlers zeigt sich in der Bewältigung solcher Situationen. Konstanter Erfolg ist nur möglich, wenn der Athlet die Fähigkeit entwickelt, mit persönlichen Krisen kreativ und nutzbringend umzugehen und diese aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten:

  • Wie kann man unter Druck noch besser und konzentrierter spielen?
  • Wie kann ich potentiellen Druck als Herausforderung sehen?
  • Wie kann ich mit Störungen umgehen?
  • Was kann ich aus Niederlagen lernen?

Aufmerksamkeitsregulation mit (Selbst-)hypnose

Unsere Energie fließt immer dort hin, wo unsere Aufmerksamkeit ist. (Selbst-)hypnose ist ein Verfahren zur Aktivierung einer 'Trance', eines tiefen und entspannten Zustandes. In diesem Zustand findet ein zielorientiertes 'inneres Training' statt. Hpynose kann von außen begleitet und vom Coachee/Klient selbst (nach individueller Anleitung im Coaching) in Selbsthypnose durchgeführt werden.

Der Sportler entwickelt dadurch die Fähigkeit, hochkonzentriert und fokussiert auf seine Leistung zu sein, und dabei sein Leistungspotential optimal zu enfalten. Alles Nebensächliche wird dabei ausgeblendet, der Athlet ist eins mit seiner Bewegung („…verschmelze mit dem Ball“, „… gespannt wie ein Flitzebogen“). Die Bewegungen erscheinen mühelos und laufen von selbst und der Sportler erlebt das Flow-Gefühl.

 

Selbstgesprächsregulation

Jeder kennt die Situation, in denen man sich handlungsbegleitender, vorauslaufender oder aber auch nachfolgender Gedanken bewusst ist. Gedanken kommen in Selbstgesprächen zum Ausdruck. Meist erfolgen sie ‚automatisch‘ und unbewusst. Man formuliert Pläne, gibt sich Anweisungen, ordnet seine Gedanken oder kommentiert sein Tun. Viele Selbstgespräche sind bestimmt von Selbstzweifeln und Angst.

In der Form unterscheidet man in verschiedene Techniken, die der Situation individuell angepasst werden muss:

Selbstmotivierung - den inneren Schweinehund überwinden

Rationalisierung - die Bedeutsamkeit best. Wettkämpfe/Situationen relativieren (es gibt immer eine nächste Chance)

Aufmerksamkeitsveränderung - auf bestimmte Aspekte/Ereignisse fokussieren

Problemlösung - Was kann ich tun, um die Situation zu bewältigen? Lösungsorientiertes Denken.

Das Führen positiver Selbstgespräche muss daher systematisch trainiert werden, d.h. Bestandteil des täglichen Trainings sein.

Hannes Lindemann, der zweimal den Atlantik im Segelboot überquert hat, macht deutlich, dass Leistungsreserven durch die Steuerung von Selbstgesprächen aktiviert werden können: „Ein Schiffbrüchiger gibt zuerst seelisch auf, dann erst folgen die Muskeln und als letztes überlebt das Rettungsboot“.

 

Kompetenzerwartung

Oder das Phänomen ‚Trainingsweltmeister‘.

Motivation und Stabilität sind gegeben, wenn der Sportler vor der selbst- oder fremdgestellten Anforderung sagen kann: „Ich bin überzeugt, dass ich die gestellten Anforderung schaffen kann!“

Ein wettkampfstabiler Sportler muss

  • Eine tiefgreifende Überzeugung der eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten besitzen
  • Sich optimale Leistung zum geforderten Zeitpunkt zuzutrauen und i.d.R. auch erbringen
  • unter voller Anstrengungsbereitschaft auch in schwierigen Situationen seine innere Organisation mit Blick auf den optimalen Bewegungsablauf aufrecht erhalten können.

Vor dem Hintergrund, dass

  • Wettkampfsituationen einmalig sind
  • immer bewusst/unbewusst mit einer Vorhersage einher gehen (siehe Reaktion des Sportlers am Ende der Aktion)
  • Wettkampfsituationen immer Konsequenzen haben

kann - in Zusammenarbeit mit dem Trainer - ein sportartspezifisches Kompetenzüberzeugungstraining entwickelt werden:

  • Prognosetraining
  • Training der Einmaligkeit
  • Prognose- und Einmaligkeitstraining mit Zeitverzögerung

 

 

 

 

(Quelle: Hans Eberspächer)